Gesundheit

Wie viel Hygiene ist gesund?

Schmutzig soll es daheim nicht sein, aber übermäßige Sauberkeit macht krank.

Häufige Nutzung von alkalischen Seifen irritiert das Immunsystem und kann Allergien auslösen. Ebenso eine nahezu keimfreie Umgebung. Wir haben ermittelt, welches Maß an Hygiene vor allem in Haushalten mit Kindern sinnvoll ist.

Von klein auf hören wir den gut gemeinten Rat der Eltern: „Mach’ dich nicht dreckig!“ und „Achte auf Sauberkeit!“. Denn zuviel Schmutz sei doch ungesund und beinhaltet eine Vielzahl von Krankheitserregern. Eine Annahme, die so nicht stimmt. Denn heute wissen Forscher, dass „wohlbehütete“ Kinder ein erhöhtes Risiko haben, eine Allergie zu entwickeln.
Das Immunsystem muss ständig in Aktion bleiben und benötigt Reize von außen, um zu lernen, sie zu bekämpfen und stärker zu werden, wissen Mediziner heute. Bei zuviel Hygiene bekommen Bakterien als Überlebensweltmeister die Chance, sich zu verändern und anzupassen. Der Körper ist dadurch nicht gewappnet und antwortet mit einer überschießenden Reaktion, also einer Allergie.

Gutes Training

Fast ein Viertel der Bevölkerung leidet unter allergischen Erkrankungen. Auch wenn es mehrere Gründe wie veränderte Ernährung (mehr Zusatzstoffe) oder Lebensgewohnheiten (andere Arbeits- und Wohnverhältnisse) dafür gibt, ist für die Wissenschaft der Umstand, dass wir heute weniger mit Keimen konfrontiert sind, ein stichhaltiges Argument. Bestätigung findet die sogenannte Hygiene-Theorie in zahlreichen Untersuchungen. Kinder, die auf einem Bauernhof groß werden, weisen etwa weniger Allergien auf. Sie sind permanent mit bakteriellen Stimulantien konfrontiert, die ein gutes Training für ihr Immunsystem darstellen, so die Erkenntnisse zahlreicher Studien. Doch nicht nur Ställe bieten ein gutes Rüstzeug. Eine Analyse in Deutschland zeigte, dass die Kinder im Osten durch den frühzeitigen Eintritt in die Kinderkrippe wesentlich seltener Allergien entwickelten. Und auch Geschwister stärken durch das erhöhte Ansteckungsrisiko die Infektabwehr. Der Vorteil: Wenn Kinder frühzeitig mit Erregern in Kontakt kommen und schon als Babys oft erkältet waren, sind sie schneller immun und etwa auch weniger anfälliger für Asthma.

Expertentipps – nicht übertreiben!

Schmutz

Für Kinder (aber auch Erwachsene) ist es gesund, sich schmutzig machen zu dürfen. Es ist daher gut, wenn Kinder beim Spielen einen natürlichen Kontakt mit Erde und Natur haben.

Haut

Schonende Pflege- und Reinigungsmittel verwenden statt alkalische Seifen. Der natürliche Talgschutz wird sonst zerstört.

Haushalt

Desinfektionsmittel nur im WC-Bereich, nicht in der Küche verwenden. Eine Reinigung mit Wasser reicht oft völlig aus. Bakterien im Haushalt bereiten einem gesunden Immunsystem in der Regel keine Probleme.

 

Ein übermäßiger Einsatz von Putz- und Desinfektionsmitteln im Haushalt ist kontraproduktiv.

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