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In-App-Käufe & Onlinespiele: Wenn das Spielen teuer wird

Virtuelle Gegenstände in Onlinespielen kosten reales Geld. Bringen Eltern Kindern das Verständnis dafür nicht bei, können Onlinespiele zur Bezahlfalle werden.

Kürzlich erzählte ein Bekannter diese Geschichte: Er war mit seiner Frau und den neunjährigen Zwillingen bei einem Heurigen in der Steiermark. Auch eine befreundete Familie war mit. Die Erwachsenen unterhielten sich angeregt und auch die Kinder waren beschäftigt. Als die Familie nach ein paar Stunden aufbrechen wollte, klagte der Sohn über Übelkeit. Schnell stellte sich heraus: Der Sohn hatte während des Heurigenbesuchs nichts getrunken, ihm war nicht übel, er war dehydriert. Der Grund: Er war so sehr auf ein Spiel am Smartphone fokussiert, dass er weder Hunger noch Durst wahrgenommen hatte.

Onlinespiele sind darauf getrimmt, Spieler in ihren Bann zu ziehen. Der nächste Schritt ist fast selbstverständlich: Die Spieleanbieter wollen Geld verdienen und haben die Erfahrung gemacht, dass das mit In-App-Käufen besonders gut funktioniert. So müssen Spieler bei vielen Gratisgames am Smartphone oft eine Stunde oder noch länger warten, bis sie weiterspielen können. Wer aber zum Beispiel Edelsteine kauft, beschleunigt die Sache und kann gleich weiterspielen. Auch gewisse Waffen oder Fähigkeiten können erkauft anstatt erspielt werden.

Reales Geld - Falle: In-App-Käufe

Zu dumm, dass die virtuellen Edelsteine reales Geld kosten. Das kann auch Kindern zum Verhängnis werden, wenn sie in ein Spiel hineinkippen und ihr ganzes Taschengeld dafür ausgeben oder schon bald um neues Geld, etwa in Form von Guthabenkarten von Google, iTunes und Co., betteln. Fatal kann es ausgehen, wenn Kinder die Kreditkarten- oder Kontodaten der Eltern nutzen können: Das verführt dazu, den Überblick über die Ausgaben zu verlieren. Mathias Jax, Projektleiter bei Safer Internet, sagt: „Die Spielehersteller haben gute Tricks und Mechaniken, um Leute dazu zu bringen, mit einem Klick einen Kauf zu tätigen. Diese In-App-Käufe sind für Kinder schwer zu verstehen.“

Dabei sieht es am Anfang harmlos aus, aber praktisch alle kostenlosen Spiele bieten In-App-Käufe an. Selbst wenn nur Kleinstbeträge ausgegeben werden, kann sich das summieren. In manchen Spielen können die Zusatzangebote, die schneller und leichter zum Spielerfolg führen, auch mehrere Hundert Euro kosten.

In-App-Käufe deaktivieren reicht nicht aus

Um zu verhindern, dass Kinder – absichtlich oder unabsichtlich – viel Geld ausgeben, können Eltern am Handy und Tablet Einstellungen vornehmen. Jax weist darauf hin, dass in jedem Smartphone die Funktion In-App-Käufe deaktiviert werden kann.

Auch, wenn keine Kreditkartendaten hinterlegt sind, kann man aber noch etwas kaufen, nämlich über die Handyrechnung. Auch das lässt sich verhindern, indem man dem Telekomanbieter bekanntgibt, auch diese Funktion zu deaktivieren. Mit diesen zwei Dingen habe man schon wichtige Voraussetzungen geschaffen. Ist bereits ein Schaden entstanden, ist es manchmal möglich, Geld von den Anbietern zurückzufordern, wobei das auch zum Kampf gegen Windmühlen werden kann.

Es sei aber nicht genug, die  Sicherheitseinstellungen vorzunehmen – es ist wichtig, vor allem früh mit den Kindern zu sprechen. Zu den wichtigsten Empfehlungen
gehört es, gemeinsam mit dem Kind das Internet zu entdecken. Jax rät auch dazu, zusammen zeitliche und inhaltliche Regeln zur Internet- und Handynutzung zu vereinbaren. Wichtig sei dabei, dass auch die Eltern sich an die Regeln halten und etwa das Smartphone am Mittagstisch nicht anrühren, wenn das ausgemacht wurde.

Vergleich mit echten Dingen

Ines Glatz-Deuretzbacher und ihre Kinder vergleichen Geld für Onlinespiele mit den Kosten für reale Gegenstände: „Meine Kinder dürfen Onlinespiele spielen – aber mit Maß und Ziel“

Ines Glatz-Deuretzbacher hält nichts von rigorosen Regeln, daher dürfen ihre Kinder zeitlichein geschränkt und „mit Maß und Ziel“ am Tablet oder Smartphone spielen. Eine Zeitlang kamen die Kinder immer wieder, weil sie etwas kaufen wollen. Wollte ihre Tochter etwa in einem Spiel ein Hündchen waschen oder brauchte der Sohn Bausteine, fielen gleich ein paar Euro an. Da die Kinder nie die Möglichkeit hatten, selbst Geld auszugeben, haben sie die Mutter gefragt.

Glatz-Deuretzbacher: „Ich lasse mich gelegentlich dazu hinreißen, ihnen so etwas zu kaufen, aber ich sage immer dazu, warum ich das tue.“ Ein Grund kann sein, dass sie findet, dass das ein schönes Spiel ist und sieht, dass es den Kindern Spaß macht: „Ich sehe das als ein Geschenk an die Kinder – es ist das gleiche, wie wenn ich ihnen eine Puppe kaufe.“ Wird das Verlangen der Kinder zu groß, erklärt sie ihnen, dass jetzt eine Grenze erreicht sei und was man um dieses Geld sonst kaufen kann. Sie hat ihnen schon mal vor Augen geführt, dass ein Kauf ihrem Taschengeld für ein Monat entsprechen würde. Manchmal hat sie die Kinder vor die Wahl gestellt: Wenn ich dir das jetzt kaufe, bekommst du aber die Barbiepuppe nicht, die du dir wünschst. „Ich finde den Vergleich mit echten Dingen gut, damit den Kindern bewusst ist, dass die 7,99 Euro für die Diamanten in dem Spiel echtes Geld sind“, sagt Glatz-Deuretzbacher.

Zweimal pro Woche kommen Kinder am Nachmittag in eines der beiden Computer-Clubhäuser der Wiener Kinderfreunde in Wien, um dort im Internet zu surfen, Spiele am Computer zu spielen, sich auf Referate vorzubereiten und sogar Filme zu machen. Die Betreuer unterstützen sie dabei, bringen den Sieben- bis Vierzehnjährigen mehr über Computer und Programme bei und vermitteln Medienbildung – und all das kostenlos. Das erste Computer Clubhouse Vienna (CCV) gründeten die Wiener Kinderfreunde im Jahr 2000 im dritten Bezirk. Ewald Hauft, Leiter der Computer-Clubhäuser: „Wir sind damals draufgekommen, dass Computer und Internet bei den Familien Einzug halten, und wollten etwas tun, um sozial benachteiligte Kinder zu unterstützen.“ Mittlerweile arbeitet das Team auch mit Smartphones, Tablets und Digitalkameras. CCV Nummer zwei kam vor rund zehn Jahren in Ottakring dazu. Hauft hält nichts davon, Kinder von neuen Technologien und Computerspielen fernzuhalten, sofern sie schon alt genug sind. Wichtig ist aus seiner Sicht, die Kinder mit der Nutzung der neuen Technologien und Medien nicht allein zu lassen: „Es geht immer darum, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben und es nicht als selbstverständlich zu erachten, dass das Kind da
schon reinwächst. Es braucht eine Anleitung.“ Diese bekommen die Kinder zwar in den Computer Clubhäusern, doch Hauft appelliert auch an die Eltern, sich mit den Kindern auseinanderzusetzen: „Eltern müssen die Kinder auf die Risiken im Internet genauso vorbereiten wie auf die Risiken im Straßenverkehr.“

Hauft weiß, wovon er spricht. Nicht nur Studien und Umfragen zeigen, dass viele Eltern ihre Kinder im Netz einfach machen lassen, was sie wollen, er kennt auch Negativbeispiele aus persönlichen Erfahrungen. Werden sie allein gelassen, kommt es manchmal sogar dazu, dass Kinder ihr ganzes Taschengeld fürs Spielen ausgeben. Oder es wird ein Abo abgeschlossen, das dann über die Handyrechnung abgebucht wird – „und die Eltern fallen aus allen Wolken“. Schon im Alter von vier oder fünf Jahren interessieren sich die Kleinen für Smartphones, Tablets und Co. – und natürlich auch fürs Spielen. Hauft: „Wichtig ist, mit den Kindern gemeinsam Spiele zu installieren und sie zusammen anzuspielen. Eltern sollten wissen, welche Spiele die Kinder spielen.“ Die Erfahrung in den Computer-Clubhäusern ist, dass die meisten Kinder sehr interessiert sind und sich auch den qualifizierten Betreuern gerne anvertrauen und viele Fragen stellen – und sich auch von ihnen Grenzen setzen lassen, was ebenso wichtig ist, wie gemeinsam Zeit vorm Computer oder Smartphone zu verbringen.

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